Pressestimmen zu "Mama Loo - Die große Les-Humphries-Partie":



Rezension Musical-Zeitung, 26.04.2018
„Mama Loo - Die große Les-Humphries-Party“


Ein eigentlich nicht beunruhigendes Partykellerambiente lässt bei den Freunden des hochbegabten Uni-Absolventen Jo anfangs noch kein Vorgefühl auf ihre bevorstehenden Abenteuer aufkommen- nicht einmal, als sie feststellen müssen, dass ihr Gastgeber auf wundersame Weise unauffindbar scheint und sich dann auch noch wie sphärisch aus einer anderen Zeit zu Wort meldet. Selbst die merkwürdig blinkende Maschine halten die jungen Gäste zunächst für eine einfache Juke-Box. Als dann aber der ehemalige Physikstudent auf ungewöhnliche Weise und auch noch wie mit einem schrägen Kostüm bekleidet zu ihnen stößt, ist die Verwunderung groß. Tatsächlich ist ihr gemeinsamer Freund der Erfinder einer Zeitmaschine, die ziemlich einfach und sehr zuverlässig zu funktionieren scheint. Schnell kommen große Träume auf, die plötzlich zum Greifen nah scheinen.

In die Vergangenheit reisen zu können, bietet den versammelten Freunden schließlich die Möglichkeit, ihre Idole früherer Jahrzehnte treffen zu können. Auf ein noch viel größeres Abenteuer aber ist keiner der Gäste gefasst, denn zu ihrem Entsetzen ist die Technik nicht ausgereift, so dass ausgerechnet ihre erste gemeinsame Zeitreise zu einem Desaster zu werden droht. In der Ausnahmesituation entdecken sie dann die magische Energie der großartigen Popmusik der Siebziger Jahre, die ihnen ungeahnte Möglichkeiten bietet.

Die eigentlich einfach klingende Story ist wie der Film „Zurück in die Zukunft“ gut durchdacht und mit witzigen und pointierten Dialogen ausgestaltet. Auch die Zeitreise selbst nimmt plötzlich eine dramaturgisch gut überlegte Wende, als die Rückkehr in die Gegenwart nicht mehr gelingen will und daher Raffinesse gefragt ist. Hierbei zeigen sich wieder einmal die Vielseitigkeit und die Kreativität des Engelsaal-Prinzipals Karl-Heinz Wellerdiek, der das Buch zum Musical schrieb und das Stück inszenierte. Denn für die Rückkehr in ihre Zeit benötigen die musikalischen Freunde die energetischen Rhythmen der Les Humphries-Hits. Durch die Erklärung der Funktionsweise der Zeitmaschine in den Dialogszenen scheint das auch verblüffend logisch und glaubwürdig. Als Zuschauer fühlt man sich daher sofort von der Story angesprochen und darüber hinaus sogar in die Geschichte eingebunden, denn die Zeitreisenden landen unbeabsichtigt als Les-Humphries Combo auf einer großen Konzertbühne. Die Zuschauer erleben den Moment, in dem die Zeitreisenden langsam begreifen, dass sie die Akteure des Abends sind und das Publikum im Saal die Les-Humphries Gruppe erwartet, praktisch hautnah mit. So fühlt man sich als Zuschauer selbst in die bunte Zeit der Siebziger Jahre zurückversetzt. Auch dieses Mal formen überzeugende Bühnentalente mit großer Stimme ein herrliches Ensemble, bei dem die einzelnen Akteure perfekt aufeinander abgestimmt scheinen. Lauren Slater-Klein sorgt dabei für amüsante Szenen, indem sie in ihrer Rolle als etwas naive Chantal mit sich selbst und mit ihren Make-up- Utensilien so beschäftigt scheint, dass die große Sensation einer Zeitmaschine als technisches Novum für sie nebensächlich wirkt. Nebenbei fällt sie durch ihre tolle Gesangsstimme und ihre große Beweglichkeit bei den Tanzszenen auf. Ebenso überzeugend legt Dominique Aref ihre Rolle als etwas feministische Self-Made-Frau an, die zu jeder Zeit den Überblick und einen klaren Kopf behält. Sprüche wie sinngemäß „Heirate nie einen Mann seines Geldes wegen. Bei der Bank bekommst du’s billiger“ kommen daher bei ihr sehr gut rüber.

Ebenso fällt sie bei einigen Songs als Lead-Sängerin auf, bei denen sie eine richtige Soul-Stimme zeigt. Sonja Geiger schlüpft gekonnt in die Rolle einer ambitionierten Geschäftsfrau, die das Potential einer Zeitmaschine sofort erkennt. Die gebürtige Schweizerin zeigt auch tänzerisches und gesangliches Talent. Sabine Barthelmess komplettiert schließlich als verliebte Biggi den femininen Teil des Ensembles mit ebenso berührender Stimme wie auch tänzerischer Leichtigkeit bei den Choreografien.
  
Als selbstbewusster Kevin kommt Nathan Elcox gut zur Geltung. Der in England geborene Darsteller passt bestens in das Ensemble und seine Stimme zu den Songs von Les Humphries. Philip Lüsebrink ist sozusagen Hauptdarsteller der Produktion, denn er steht als Erfinder der Zeitmaschine auf der Bühne, bei dem damit auch die Handlungsfäden des Stückes zusammenlaufen. Seine Figur ist passender Weise quasi der dynamische Part des Abends, denn Philip Lüsebrink ist schauspielerisch ausgesprochen wandlungsfähig und vielseitig. Seine klangvolle Stimme fällt auch im Ensemblegesang auf. Als Choreografin tritt in dieser Produktion wieder Karin Westfal in Erscheinung, was deshalb erwähnt werden muss, weil die tänzerischen Einlagen sehr abwechslungsreich sind und die Inhalte der Songs praktisch szenisch mit den dazu passenden Gesten und Schrittfolgen ausgestalten. Die einfallsreichen Ensemblechoreografien fügen sich daher hervorragend in den musikalischen Theaterabend und runden ihn tänzerisch ab. Musical-Zeitung.de meint: Musical „Mama Loo“ ein herrlich unterhaltsamer Theaterabend voller Farbe und Musikalität.

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